(Un-)strukturierte Daten in elektronischen Patientenakten: Vom digitalen Scan zur medizinischen Informationsquelle

Durch die Einführung des verpflichtenden E-Rezeptes Anfang diesen Jahres und der bevorstehenden verpflichtenden elektronischen Patientenakte ab 2025 scheinen Papierakten im Gesundheitssystem längst der Vergangenheit anzugehören. Doch trotz der fortschreitenden Digitalisierung sieht die Realität anders aus: Wenig bis gar nicht systematisierte Papierdokumente stellen Ärzt:innen auch in diesem Jahr weiterhin vor große Herausforderungen. Umso wichtiger scheint es, genau diese Dokumente mit essenziellen Informationen systematisch zu digitalisieren.

Ärzt:innen werden täglich mit einer großen Anzahl an Dokumenten in Form von Befundbriefen, Überweisungen und Laborberichten konfrontiert. Oftmals werden diese Papierdokumente zunächst eingescannt und in der jeweiligen Akte der Patient:innen katalogisiert. Doch obwohl diese Dokumente somit digital vorliegen, sind diese als einfache Scans in der Regel weder verarbeitbar noch durchsuchbar. Die Suche nach relevanten Informationen erweist sich hierdurch als äußerst zeitintensiv, fehleranfällig und ineffektiv.

Optische Texterkennung (OCR) zur Digitalisierung und Strukturierung von Papierdokumenten

Abhilfe für das Problem schafft die sogenannte OCR-Technologie (Optical Character Recognition) mit welcher es möglich wird, gedruckten Text in digital lesbare Form zu transformieren. Die OCR-Technik extrahiert Buchstaben, Wörter und Zahlen aus Bilddateien (z.B. Scans) und wandelt diese in bearbeitbare und durchsuchbare Texte um. Dies erleichtert anschließend nicht nur die Suche nach den jeweiligen Informationen nachhaltig, sondern schafft auch eine intelligente, digitale Struktur.

Weiterhin wird das Überführen jener Informationen in medizinische Formate wie FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) erheblich vereinfacht, was die Datenanalyse und -verarbeitung zusätzlich unterstützt.

Integration in elektronische Patientenakten und Kontextualisierung

Nach der Digitalisierung der Patientendokumente folgt der Import in das Praxisverwaltungssystem (PVS) oder Arztinformationssystem (AIS). Als Teil der elektronischen Patientenakte können Ärzt:innen nun gezielt diejenigen Informationen abrufen, welche für die aktuelle medizinische Situation der Patient:innen relevant sind. So können beispielsweise vereinfacht Vorwerte und Informationen in Bezug auf die aktuelle medizinische Situation geprüft und einbezogen werden. Gleichzeitig werden auch patientenübergreifende Auswertungen möglich (z.B. hinsichtlich des aktuellen Infektionsgeschehens) oder die Teilnahme an Studien.

Digitale Signaturen und mehr

Um den gesamten Prozess in der Praxis digital abzubilden sind zudem ein Zugriffsmanagement für optimalen Datenschutz sowie die digitale Signatur relevant. Diese spielen eine immer wichtigere Rolle in der Sicherung und Authentifizierung von medizinischen Dokumenten und bieten gleichzeitig eine Effizienzsteigerung, denn sie reduzieren die Prozessschritte und ermöglichen beispielsweise Stapelsignaturen und Freigaben.

Fazit: Ein Schritt in Richtung Zukunft

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein weiterhin fortlaufender Prozess, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen bietet. Durch die Anwendung moderner Technologien wie OCR können Ärzt:innen nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch eine präzisere Patientenversorgung gewährleisten. Eine progressive Digitalisierung führt infolgedessen zu einer besseren Gesundheitsversorgung für Patient:innen und eine Entlastung für Ärzt:innen im hektischen Alltag.

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Optimierung von klinischen Prozessen: Verbesserung der Diagnosefindung und Entlastung in der Klinik mit Labordiagnostik

Der ökonomische Druck auf Krankenhäuser in Deutschland potenziert sich über die letzten Jahre, sodass die medizinische Versorgung an vielen Stellen nicht mehr rein im Sinne der Patient:innen ist. In einem Interview von Dezember 2022 bestätigt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: “Heute kann es sich kein Krankenhaus mehr leisten, allein die Medizin in den Mittelpunkt zu stellen.”[1] Um den Spagat zwischen Medizin und Ökonomie zu schaffen, ist es nicht zielführend, sich nur auf Fachbereiche zu fokussieren, die wirtschaftlich vergleichsweise rentabel sind. Stattdessen ist eine gezielte Analyse und darauf basierende Optimierung der klinischen Prozesse zur Verbesserung der Patientenversorgung geboten. Eine Hebelfunktion ist dabei der frühen und gezielten Diagnosestellung insbesondere mithilfe der Labordiagnostik zuzuschreiben. Durch innovative Ansätze und Technologien können wir die Effizienz und Effektivität dieser Prozesse steigern.

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