{"id":8006,"date":"2025-04-27T18:35:16","date_gmt":"2025-04-27T18:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/medicalvalues.de\/?p=8006"},"modified":"2025-05-08T09:32:24","modified_gmt":"2025-05-08T09:32:24","slug":"mehr-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/mehr-daten\/","title":{"rendered":"Mehr Daten f\u00fcr An\u00e4mie als f\u00fcr Krebs? Warum KI gerade bei komplexen F\u00e4llen ausgebremst wird"},"content":{"rendered":"<p data-renderer-start-pos=\"742\">In der medizinischen Praxis erleben wir einen Widerspruch, der auf den ersten Blick kaum zu glauben ist: F\u00fcr h\u00e4ufige und vergleichsweise einfache Diagnosen wie An\u00e4mie stehen enorme Datenmengen zur Verf\u00fcgung \u2013 w\u00e4hrend f\u00fcr komplexe oder seltene Krankheitsbilder oftmals genau das fehlt, was K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) dringend br\u00e4uchte: strukturierte, qualitativ hochwertige Daten. Dabei w\u00e4re gerade hier der Nutzen von KI besonders gro\u00df.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"1181\">F\u00fcr eine An\u00e4mie gen\u00fcgen h\u00e4ufig ein paar Laborwerte, etwa das H\u00e4moglobin, um die Diagnose zu stellen. Diese Parameter sind Routine in der \u00e4rztlichen Versorgung, sie fallen massenhaft an und sind in vielen Krankenh\u00e4usern standardisiert dokumentiert. Das bietet eine ideale Grundlage f\u00fcr KI-Systeme, die auf diesen strukturierten Daten trainiert werden k\u00f6nnen \u2013 mit hoher Genauigkeit und auf breiter Datenbasis.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"1591\">Anders sieht es bei komplexen Erkrankungen wie bestimmten Krebsarten oder seltenen Krankheitsbildern aus. Hier ist die Datenlage nicht nur d\u00fcnn, sondern oft auch un\u00fcbersichtlich. Komplexe Diagnosen beruhen auf zahlreichen Einflussfaktoren, ben\u00f6tigen interdisziplin\u00e4re Befunde, molekulare Daten, Bildgebung, Laborwerte und vieles mehr. Diese Daten stammen aus unterschiedlichen Quellen, sind oft nicht standardisiert oder nicht maschinenlesbar. <strong>Das macht sie f\u00fcr klassische Machine-Learning-Modelle schwer nutzbar \u2013 und limitiert den potenziellen Nutzen von KI ausgerechnet dort, wo sie besonders gebraucht wird.<\/strong><\/p>\n<h3 id=\"KI-basierte-Diagnosesysteme-als-Instrument-zur-Nachhaltigkeit\" data-renderer-start-pos=\"4363\">Warum KI gerade bei komplexen Diagnosen besonders helfen kann<\/h3>\n<p data-renderer-start-pos=\"2267\">Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass KI besonders f\u00fcr einfache Aufgaben geeignet sei. Tats\u00e4chlich liegt das gr\u00f6\u00dfte Potenzial der Technologie dort, wo menschliche Expert:innen an ihre kognitiven Grenzen sto\u00dfen: bei der Verarbeitung sehr vieler Informationen, bei komplexen Differentialdiagnosen oder bei seltenen Krankheitsverl\u00e4ufen.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"2603\">Gerade bei Patient:innen mit unklaren Symptomen, multiplen Vorerkrankungen oder genetisch bedingten Risiken kann KI dabei helfen, Muster zu erkennen, die in der klassischen Diagnostik leicht \u00fcbersehen werden. Ein intelligentes System, das auf viele tausend \u00e4hnliche Fallverl\u00e4ufe trainiert wurde, kann hier wertvolle Hinweise geben, Wahrscheinlichkeiten berechnen oder zus\u00e4tzliche Hypothesen liefern.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"3004\">Auch in der Onkologie er\u00f6ffnen KI-gest\u00fctzte Verfahren neue M\u00f6glichkeiten: etwa bei der Analyse genetischer Tumorprofile, bei der automatisierten Bildauswertung oder bei der Unterst\u00fctzung komplexer Therapieentscheidungen. Doch damit solche Systeme zuverl\u00e4ssig arbeiten k\u00f6nnen, brauchen sie eine solide Datenbasis. Und genau hier liegt das Problem.<\/p>\n<h3 data-renderer-start-pos=\"10458\">Datenmangel bremst Innovation<\/h3>\n<p data-renderer-start-pos=\"3383\">Der Einsatz von KI steht und f\u00e4llt mit der Verf\u00fcgbarkeit guter Daten. Gerade Machine-Learning-Modelle \u2013 und insbesondere Deep-Learning-Ans\u00e4tze \u2013 ben\u00f6tigen viele, idealerweise qualitativ hochwertige und sauber gelabelte Beispiele, um verl\u00e4ssliche Vorhersagen treffen zu k\u00f6nnen. Fehlen diese Daten, werden die Modelle unsicher, unzuverl\u00e4ssig oder gar unbrauchbar.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"3746\">F\u00fcr seltene Erkrankungen ist dieses Problem besonders ausgepr\u00e4gt. Wenn eine bestimmte Krankheit nur einige hundert Menschen in Europa betrifft, dann ist es extrem schwierig, ausreichende Trainingsdaten zu generieren \u2013 selbst wenn viele Kliniken beteiligt sind. Aber auch f\u00fcr hochspezialisierte Fragestellungen in der Onkologie oder bei seltenen Tumorsubtypen st\u00f6\u00dft man schnell an Grenzen.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"4136\">Hinzu kommt: Viele der vorhandenen Daten liegen unstrukturiert vor \u2013 etwa als Freitext in Arztbriefen, in Bildformaten oder als individuelle Verlaufsdokumentation in lokalen Systemen. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres f\u00fcr das Training von KI-Modellen verwenden. Das erschwert die Skalierung von KI-Anwendungen erheblich \u2013 und sorgt daf\u00fcr, dass ihr Potenzial in komplexen Bereichen bislang kaum ausgesch\u00f6pft wird.<\/p>\n<h3 data-renderer-start-pos=\"11507\">Was wir tun k\u00f6nnen: Drei Ans\u00e4tze f\u00fcr bessere KI-Anwendungen<\/h3>\n<p data-renderer-start-pos=\"11554\">Trotz dieser Herausforderungen gibt es konkrete Wege, wie wir die Verf\u00fcgbarkeit und Nutzbarkeit von Daten f\u00fcr KI verbessern k\u00f6nnen. Drei zentrale Ans\u00e4tze sind besonders vielversprechend:<\/p>\n<h5 data-renderer-start-pos=\"11730\">1. Daten harmonisieren und interoperabel machen<\/h5>\n<p data-renderer-start-pos=\"4851\">Daten sind nicht selten \u2013 sie sind nur h\u00e4ufig schlecht zug\u00e4nglich. Unterschiedliche Dokumentationssysteme, uneinheitliche Formate und fehlende Schnittstellen erschweren es, Informationen sinnvoll zusammenzuf\u00fchren. Genau hier setzen internationale Standards wie HL7 FHIR an: Sie helfen dabei, medizinische Informationen strukturiert, interoperabel und maschinenlesbar zu erfassen und zu teilen.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"5246\">Wenn Diagnosen, Befunde und Laborwerte standardisiert kodiert sind, lassen sich Daten aus verschiedenen Quellen kombinieren \u2013 etwa aus mehreren Kliniken, Studien oder Systemen. So k\u00f6nnen auch seltene Erkrankungen oder komplexe Verl\u00e4ufe \u00fcberregionale Fallzahlen erreichen, die f\u00fcr KI nutzbar sind.<\/p>\n<h5 data-renderer-start-pos=\"12452\">2. Auf vorhandenem Wissen aufbauen<\/h5>\n<p data-renderer-start-pos=\"5581\">KI muss nicht immer bei Null anfangen. Es gibt viele vortrainierte Modelle, die auf allgemeinen medizinischen Daten oder Literatur beruhen. Diese Modelle bringen bereits ein fundiertes Vorwissen mit und lassen sich mit vergleichsweise wenig zus\u00e4tzlichem Input f\u00fcr spezifische Fragestellungen anpassen.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"5884\">Au\u00dferdem l\u00e4sst sich medizinisches Expertenwissen in Form von Leitlinien, Ontologien oder Studienergebnissen in die Modellarchitektur einbauen. So lernt das System nicht allein aus Patientendaten, sondern auch aus medizinischen Zusammenh\u00e4ngen, die bereits gut belegt sind. Das spart nicht nur Daten, sondern erh\u00f6ht auch die Qualit\u00e4t und Vertrauensw\u00fcrdigkeit der Ergebnisse.<\/p>\n<h5 data-renderer-start-pos=\"13134\">3. Kollaborative Netzwerke aufbauen und nutzen<\/h5>\n<p data-renderer-start-pos=\"6307\">Die zentrale Herausforderung bei seltenen und komplexen Erkrankungen ist die Verteilung der relevanten Informationen. Einzelne H\u00e4user sehen oft nur wenige F\u00e4lle \u2013 aber gemeinsam l\u00e4sst sich ein breites Bild erzeugen. Kollaborative Netzwerke wie die Medizininformatik-Initiative oder MEDICUS schaffen genau solche Plattformen, auf denen Daten sicher, anonymisiert und strukturiert geteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"6710\">Durch die Beteiligung vieler Einrichtungen k\u00f6nnen so aus vereinzelten Daten echte Fallkohorten entstehen. Das erh\u00f6ht nicht nur die Datenbasis f\u00fcr KI-Modelle, sondern f\u00f6rdert auch die gemeinsame Weiterentwicklung diagnostischer Standards \u2013 zum Beispiel durch R\u00fcckmeldungen aus dem klinischen Alltag oder durch gemeinsame Studien.<\/p>\n<h3 data-renderer-start-pos=\"13751\">Fazit: Das Potenzial von KI nicht ungenutzt lassen<\/h3>\n<p data-renderer-start-pos=\"7092\">KI bietet enormes Potenzial, gerade f\u00fcr jene Bereiche der Medizin, in denen menschliche Expertise durch Komplexit\u00e4t, Unsicherheit oder Informationsflut an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft. Es ist paradox, dass genau hier oft die n\u00f6tigen Daten fehlen \u2013 doch es ist auch eine Chance.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"7361\">Wenn wir Daten kl\u00fcger strukturieren, vorhandenes Wissen einbeziehen und st\u00e4rker zusammenarbeiten, k\u00f6nnen wir diese Kluft \u00fcberbr\u00fccken. Bei medicalvalues setzen wir genau hier an: Wir helfen, medizinische Daten besser nutzbar zu machen, schaffen Standards f\u00fcr Interoperabilit\u00e4t und entwickeln KI-Modelle, die nicht nur h\u00e4ufige, sondern auch seltene und komplexe Fragestellungen adressieren.<\/p>\n<p data-renderer-start-pos=\"7751\">Denn letztlich geht es um bessere Versorgung. Und daf\u00fcr lohnt es sich, das Potenzial von KI auch dort zu heben, wo es heute noch zu oft ungenutzt bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Paradox im Gesundheitswesen: F\u00fcr einfache Diagnosen wie An\u00e4mie stehen massenhaft strukturierte Daten zur Verf\u00fcgung \u2013 perfekte Bedingungen f\u00fcr KI. Doch gerade bei komplexen oder seltenen Erkrankungen, wo KI besonders hilfreich w\u00e4re, fehlt es an verwertbaren Daten.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag zeigen wir, warum KI oft dort ausgebremst wird, wo sie am meisten gebraucht wird \u2013 und wie wir bei medicalvalues daran arbeiten, das zu \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":8037,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[62],"tags":[96,97,95],"class_list":["post-8006","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-technologie-und-innovation","tag-it-de","tag-losung","tag-software-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8006"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8006\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8044,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8006\/revisions\/8044"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/medicalvalues.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}